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Dido and Aeneas
(von Geli Steer)
Während sich im Kino derzeit das große Hollywoodspektakel „Troja“ mit dem 10-jährigen Kampf der Griechen gegen die Trojaner, die ihnen ihre Königin Helena
„geraubt“ haben, auseinandersetzt, beschäftigen wir uns mit einer tragischen Geschichte, die nach dem Untergang von Troja stattgefunden hat. Leider spielt Achill d.h. Brad Pitt darin keine Rolle, er musste ja vor
den Toren Trojas sein Leben lassen und außerdem kann er wahrscheinlich eh nicht singen! Der römische Dichter Vergil berichtet in seiner „Aeneis“ von den Abenteuern der geschlagenen Trojaner unter ihrem Führer
Aeneas, der letztendlich in Italien eine neue Heimat finden und der Gründer von Rom sein wird. Bevor er sein Ziel erreicht verschlägt es den Helden und sein Gefolge nach Karthago an die libysche Küste. Aeneas
verliebt sich in die Stadtgründerin und Königin Dido. Die verwitwete Regentin erwidert nach anfänglichem Zögern und nach gutem Zureden seitens ihrer Vertrauten Belinda die Gefühle des Kriegshelden. Aeneas genießt
nach den langen Jahren des Kampfes und der Entbehrungen das neue Liebesglück und vergisst seine Aufgabe, in Italien ein neues Reich zu gründen . Doch soviel Honeymoon erweckt den Neid einer bösen Zauberin, die den
Untergang von Dido, Karthago und der Trojaner beschließt. Während einer Jagdpartie zieht ein Sturm herauf und Dido flüchtet in ihren Palast. Währenddessen redet ein als Götterbote Merkur getarnter Geist (ein
Werkzeug der Zauberin) Aeneas ins Gewissen und erinnert ihn an seinen Schwur, den er Jupiter geleistet hat. Widerwillig beschließt der Trojaner seine sofortige Abreise. Schadenfroh beobachtet die Zauberin mit ihrem
Hexengefolge die Abreisevorbereitungen der Trojaner am Kai. Dido ist tief verletzt vom Verhalten ihres Geliebten, der ihr seinen Entschluss nicht selbst mitgeteilt hat. Aeneas ein konfliktscheuer oder sogar
feiger „Held“? Obwohl er beteuert nun doch bei ihr bleiben zu wollen, weist sie ihn zurück: Zu tief hat sie sein Vertrauensbruch verletzt. Dido begeht Selbstmord.
Dido und Aeneas - woher kamen sie, wohin gingen sie?
Die „wahre“ Geschichte des Liebespaares
Aeneas, der Halbgott
Sohn der Göttin Venus/Aphrodite und dem Sterblichen Anchises, der ein Sohn von König Dardania war. Venus/Aphrodite hatte sich zunächst als Sterbliche
ausgegeben und Anchises war entsetzt als er von ihrer Göttlichkeit erfuhr. „Das bringt nur Ärger“ mag er sich gedacht haben. Doch Venus/Aphrodite beruhigte ihn: Solange er niemanden von ihrem Verhältnis erzähle,
werde ihm kein Leid geschehen. Als der kleine Aeneas fünf Jahre alt wurde, brachte ihn seine Muter in das Haus des Vaters. Der konnte während eines Besäufnisses seinen Mund nicht halten und rühmte sich der Herkunft
des Kindes. Mit welchen Worten, das kann man sich ja ungefähr vorstellen – schließlich hatte er Sex mit der schönsten aller Göttinnen! Zur Strafe traf ihn ein Blitzstrahl Zeus/Jupiters (wie wir wissen, schleudert
der Boss des Himmels den ja gerne) und Anchises war von nun an gelähmt.
Flucht aus Troja
Aeneas hatte als Verwandter und Bundesgenosse des trojanischen Königshauses tapfer gegen die Griechen gekämpft. Als die Stadt in Schutt und Asche lag machte er
sich mit seiner Familie aus dem Staub. Seinen Vater Anchises trug er auf dem Rücken, seinen Sohn Julus/Ascanius hielt er an der Hand und seine Gattin Kreusa ... ging im Getümmel leider verloren. Seine Mutter
Venus/Aphrodite hielt ihn davon ab, nach Kreusa zu suchen – zwecklos, sie war bereits tot.
Beim Orakel von Delos
Aeneas und der klägliche Rest der geschlagenen Trojaner bauten Schiffe um sich in der Ferne eine neue Heimat zu suchen. Zusammen mit Anchises befragte der Held
zunächst die Götter (das gehörte sich damals so) mit Hilfe des Orakels von Delos. Beide glaubten, die neue Heimat läge auf Kreta und siedelten sich dort an. Dann brach jedoch die Pest aus und Aeneas wurde durch ein
nächtliches Traumgesicht darüber aufgeklärt, dass er in Italien siedeln sollte. Tja, die Weis-sagungen eines Orakels richtig zu deuten, ist halt nicht ganz einfach!
Auf der Insel der Harpyen
Nach der Abreise von Kreta gerieten die Trojaner in einen Sturm und landeten auf einer „unbewohnten“ Insel. Sie fingen eine Rinderherde und bereiteten ein
ausführliches Mittagessen vor, als sie von den Harpyen – riesige Vögel mit Mädchenköpfen – gestört wurden, welche die Trojaner verlachten und mit ihren Kot beschmutzten. Da diese Geschöpfe gegen die Waffen der
Trojaner immun waren, verließen diese die ungastliche Insel wieder.
Neptun greift ein
Bereits vor der Küste Siziliens angelangt, hinderten die Göttin Hera/Juno und Aeolus, der Hüter der Winde, die Trojaner an der Weiterfahrt und brachten sie mit
einem gewaltigen Sturm in höchste Gefahr. Grund: Hera/Juno war eine Feindin der Trojaner – aber das ist eine andere Geschichte (siehe Paris, der den (Zank)-apfel der Eris, Venus/Aphrodite und nicht Hera/Juno
überreicht hatte, und damit das ganze Drama um Troja in Gang gesetzt hatte ....)
Der Meeresgott Poseidon/Neptun jedoch war ein Freund der Trojaner und setzte nun seine Kräfte ein um die Schiffe zu retten – schließlich strandeten sie an der
libyschen Küste. Venus/Aphrodite half ihrem Sohnemann Aeneas, der sich in der Fremde nicht so recht zurecht fand, und zeigte ihm den Weg nach: Karthago!
Die schlaue Dido
Die phönizische Königstochter Dido war selbst dereinst als Flüchtling an der libyschen Küste gelandet: Sie war vor ihrem tyrannischen Bruder, der ihren Gatten
getötet hatte, geflohen. Die Einwohner von Libyen erlaubten ihr den Erwerb von Grundbesitz: Sie durfte so viel Land kaufen, wie eine Rinderhaut umschließen konnte. Daraufhin zerschnitt die clevere Dido die
Rinderhaut in schmale Streifen, knüpfte diese aneinander und konnte ein Terrain in der Größe einer mächtigen Burganlage – Karthago – abdecken.
Liebe auf den ersten Blick?
Dido hatte die flüchtigen Trojaner zu einem Gastmahl geladen und Aeneas erzählte ihr ausführlich von seinen Heldentaten. Venus/Aphrodite mischte sich mal
wieder ein und verwandelte den Liebesgott Amor/Eros in den Sohn von Aeneas, den Dido auf ihren Schoß nahm um ihn zu knuddeln. Auf diese Weise entbrannte Dido also in Liebe zu Aeneas während er versuchte, sie mit
seinen vergangenen Taten zu beeindrucken. Doch Dido zögerte lange, ihren Gefühlen nachzugeben, irgendwie hatte sie böse Vorahnungen. Schließlich jedoch brachte wieder einmal ein Sturm, der während einer Jagd
ausgebrochen war, die entscheidende Wende: Dido und Aeneas landeten - von ihrem Gefolge getrennt - allein in einer Höhle und: Love, Love, Love!
Die Frau muss mal wieder dran glauben
Aeneas war dem Ansinnen von Dido, sie zu heiraten durchaus nicht abgeneigt und genoss die vorgezogenen Flitterwochen
in vollen Zügen. Schließlich wurde es dem Göttervater Zeus/Jupiter zu bunt: Er schickte seinen Boten Hermes/Merkur, der den Verliebten an seine Aufgabe – die neue Reichsgründung in Italien - erinnern sollte. Der Abschied von Dido war herzzerreißend – doch natürlich triumphierte das Pflichtgefühl über den Liebeswahn und Aeneas eilte zu seinen Schiffen im Hafen. In der irrigen Annahme, ohne ihren Geliebten nicht mehr weiter existieren zu können, errichtete Dido einen Scheiterhaufen aus den Kleidern und Waffen, die Aeneas zurück gelassen hatte. Sie entzündete das Feuer, welches Aeneas von ihrem Ende künden sollte, tötete sich mit seinem Schwert und sprach – Rache muss sein – vorher noch einen Fluch aus: Karthago und Rom sollten in ewiger Feindschaft gegeneinander stehen. Jetzt wissen wir endlich, warum sich die Römer später dauernd mit Karthago rumschlagen mussten!!! Ceterum censeo, Carthaginem esse delendam (oder so ähnlich).
Ein kurzes Wiedersehen
Auf seiner Weiterfahrt nach Italien, die nunmehr unter einen besseren Stern stand verlor Aeneas nur noch seinen treuen Steuermann Palinurus. Aeneas musste
jedoch vor allem an seinen toten Vater denken, der bereits vor seinem Abenteuer mit Dido verstorben war. Mit Hilfe der greisen Seherin Sybille von Cumae durfte der Trojaner in die Unterwelt reisen um dort Anchises
zu treffen und ihn nach dem endgültigen Siedlungsort in Italien zu befragen. Unter all den ehemaligen Gefährten und Freunden erblickte Aeneas im Totenreich auch Dido, die sich jedoch voller Hass von ihm abwandte.
Aeneas wird befördert
In Italien angekommen musste Aeneas noch einige Abenteuer und Kämpfe überstehen. Frauen spielten auch wieder eine gewisse Rolle, aber offensichtlich gründete
der Trojaner keine neue Familie mehr (Viagra gab es damals noch nicht). Sein Sohn Julus/Ascanius, aus der Ehe mit Kreusa, wurde letztendlich zum direkten Vorfahren von Romulus und Remus.
Aeneas aber wurde mit Erlaubnis von Zeus/Jupiter aufgrund seiner Heldentaten in den Götterhimmel aufgenommen, nachdem er vorher zum Gott gesalbt wurde (mit
Nektar und Ambrosia, das wir ja leider so verschmäht haben. War wohl ein Fehler!)
Frei nach Vergils (römischer Dichter zu Zeiten Kaiser Augustus’) Epos: In die Literaturgeschichte eingegangen als „Aeneis“
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